Es gibt Zubereitungen, die mehr als andere eine Region erzählen. Die Focaccia gehört zweifellos dazu. Einfach in ihren Zutaten — Mehl, Wasser, Hefe, Öl und Salz — und doch erstaunlich vielfältig in Form, Konsistenz und Geschmack. Von Norden bis Süden hat jede Region ihre eigene Interpretation entwickelt und einen schlichten Teig in ein reiches kulinarisches Erbe verwandelt. Ob hoch und weich oder flach und knusprig, schlicht oder reich belegt: Focaccia ist einer jener Teige, die sich dem Umfeld, den Rohstoffen und den lokalen Gewohnheiten anpassen.
Eine alte, alltägliche Herkunft
Lange Zeit galt die Focaccia als eine Art „besonderes Brot“: reichhaltiger als das tägliche Brot, dank der Zugabe von Fett wie Öl, und oft zu besonderen Anlässen oder zum Teilen zubereitet. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich von einer einfachen Speise zu einem identitätsstiftenden Symbol ganzer Regionen.
Eine Reise durch die italienischen Focacce
In Ligurien finden sich einige der bekanntesten Versionen: die Genueser Focaccia, flach, goldgelb, glänzend vor Öl, aussen leicht knusprig und innen weich. Nicht weit davon entfernt steht die Focaccia di Recco für ein ganz anderes Konzept: extrem dünn, ohne Hefe, gefüllt mit Käse und bei sehr hoher Temperatur gebacken.
Weiter südlich erzählt die Focaccia Barese eine andere Geschichte: höher, weicher, oft mit Kirschtomaten und Oliven belegt, wobei Olivenöl eine zentrale Rolle spielt — sowohl im Teig als auch beim Backen.
In der Emilia-Romagna finden sich wiederum Zubereitungen, die zur Familie der Focaccia zählen, auch wenn sie ihre eigene Identität haben: Tigelle und Crescentine, die entweder auf Platten gebacken oder frittiert werden und ursprünglich als Beilage dienten.
Jede Variante ist anders, doch das Prinzip bleibt gleich: ein einfacher Teig als Ausdruck eines Territoriums.
Die Struktur des Teigs: was wirklich den Unterschied macht
Die Hydration spielt dabei eine zentrale Rolle: stärker hydratisierte Teige entwickeln eine luftigere, weichere Krume, während festere Teige kompaktere und knusprigere Ergebnisse liefern.
Auch die Verarbeitung hat grossen Einfluss. Teige, die wenig bearbeitet und lange gereift werden, entwickeln komplexere Aromen. Schnellere Teigführungen hingegen führen zu direkteren, unkomplizierteren Ergebnissen.
Ein weiteres Schlüsselelement ist das Öl. Es ist nicht nur Fett, sondern ein struktureller Bestandteil: Es beeinflusst die Weichheit der Krume, die Knusprigkeit der Kruste und auch die Haltbarkeit.
Schliesslich spielt die Backphase eine entscheidende Rolle: hohe Temperaturen und eine gute Unterhitze fördern das Aufgehen und die Bräunung, während gut geölte Bleche zur typischen goldenen Kruste beitragen.
Mehr als Brot: ein kreativer Teig
Im häuslichen Umfeld gehört sie zu den zugänglichsten Teigen: Sie verlangt weniger Präzision als viele andere Backwaren und lädt zum Experimentieren ein. Gerade deshalb ist sie ein idealer Einstieg für alle, die sich mit dem Backen beschäftigen möchten.
Eine Frage des Gleichgewichts
Ein Teig, der Geschichten erzählt
