Wer regelmässig Teig verarbeitet, steht früher oder später vor einer ganz typischen Frage: Ein Rezept verlangt nach Bäckerhefe, aber zu Hause ist nur Sauerteig vorhanden. Oder umgekehrt. Das ist völlig normal – vor allem dann, wenn man beginnt, mit verschiedenen Gärmethoden zu experimentieren und ein eigenes Gefühl für Teige zu entwickeln.
Die gute Nachricht: Ja, man kann sie ersetzen.
Die weniger beruhigende: Es ist kein direkter 1:1-Tausch. Bäckerhefe und Sauerteig sind unterschiedliche Werkzeuge – und sollten auch so behandelt werden.
Bäckerhefe: einfach und berechenbar
Bäckerhefe ist für viele der erste Kontakt mit der Welt des Brotbackens. Sie ist zuverlässig, gut kontrollierbar und liefert auch ohne viel Erfahrung konstante Ergebnisse.Ob frisch oder trocken, ihr Verhalten ist recht klar:
- frische Bäckerhefe wird meist mit 1–2 % bezogen auf die Mehlmenge verwendet;
- Trockenhefe benötigt etwa ein Drittel der Menge der frischen Hefe (3 g Trockenhefe ≈ 10 g frische Hefe).
Sauerteig: ein lebendiger Teig
Sauerteig erzählt eine andere Geschichte. Er ist ein lebendiges System aus wilden Hefen und Milchsäurebakterien, die gemeinsam arbeiten. Er kann fest oder flüssig (festen Sauerteig / Licoli) geführt werden – jede Form mit ihrem eigenen Charakter.In Bezug auf die Menge gilt:
- fester Sauerteig: meist 20–30 % der Mehlmenge;
- flüssiger Sauerteig (Licoli): etwa 25–35 %, da er mehr Wasser enthält.
Hefe ersetzen: was sich wirklich ändert
Beim Wechsel von Bäckerhefe zu Sauerteig reicht es nicht, einfach „mehr Hefe“ zu nehmen. Das Gleichgewicht des Teiges verändert sich.Ein praktisches Beispiel:
Ein Rezept mit 500 g Mehl, 300 g Wasser und 5 g frischer Bäckerhefe.
Ersetzt man diese durch:
Festen Sauerteig (25 %) → ca. 125 g Sauerteig
Dann müssen reduziert werden:
ca. 60 g Mehl
ca. 60 g Wasser
Flüssigen Sauerteig (30 %) → ca. 150 g Licoli
In diesem Fall:
ca. 75 g Mehl
ca. 75 g Wasser
Diese Anpassungen sind notwendig, um Hydration und Teigstruktur stabil zu halten.
Auch die Gehzeiten ändern sich
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Zeit. Sauerteig arbeitet langsamer:
- Ein Teig mit Bäckerhefe, der 2–3 Stunden benötigt,
- Braucht mit Sauerteig oft 4–6 Stunden bei Raumtemperatur – oder deutlich länger bei kalter Führung.
Der Teig entwickelt sich langsam, baut Struktur auf und gewinnt an Aroma – oft genau durch das Warten.
Keine Ersetzung ist exakt gleich
Mehltyp, Temperatur, Triebkraft des Sauerteigs und Hydration beeinflussen das Ergebnis immer.
Die Zahlen dienen als Orientierung. Der wirkliche Fortschritt kommt, wenn man lernt, den Teig zu beobachten:
- Volumenzunahme,
- Spannung,
- Gefühl beim Formen.
Jedes Mal das richtige Triebmittel wählen
Wer lernt, sie gezielt einzusetzen und zu ersetzen, gewinnt Freiheit beim Backen, Sicherheit im Umgang mit Rezepten und ein tieferes Verständnis für Teige.
Denn Teig zu machen heisst nicht nur, einer Formel zu folgen – sondern zu verstehen, was zwischen den eigenen Händen passiert.
